Das Schönste an Weihnachten?

Das Schönste an Weihnachten? Die Vorfreude!

Ich bin ein Weihnachtskind. Dabei habe ich im Mai Geburtstag. Aber ich habe Weihnachten geliebt, seit ich denken kann. Von dem Zauber ist nur wenig verloren gegangen als ich erwachsen wurde. Umso gespannter bin ich auf das kommende Weihnachtsfest, denn es ist mein erstes als Mutter. Mein Sohn ist wie ich im Mai geboren, und ich wünsche mir und vor allem ihm sehr, dass auch er ein „Weihnachtskind“ wird. Aber was macht Weihnachten für mich aus, was sind die Zutaten dieser speziellen Atmosphäre, die mir so ein wohliges Gefühl verursacht?

Wenn ich zurück blicke, fallen mir bestimmte Rituale ein, die in meiner Kindheit unabdingbar zu Weihnachten gehörten, zum Beispiel der Weihnachtsspaziergang am Rhein. Am Nachmittag des Heiligabend, wenn die Bescherung bei den meisten Familien schon anfing, spazierten wir am eisgrauen Fluss entlang (meistens bei nasskaltem Nieselwetter), weit und breit war kaum jemand zu sehen, und mit jedem Schritt zurück Richtung Parkplatz wuchsen die Spannung und das Kribbeln. Die zehnminütige Heimfahrt in der beginnenden Dämmerung, der Blick aus dem Auto in erleuchtete Wohnzimmer, die leeren Straßen und das Wissen: Gleich geht es auch bei uns los! Noch heute kriege ich Gänsehaut, wenn ich an dieses wunderbare Gefühl denke.

Winterlicher Niederrhein. Das schönste an Weihnachten? Die Vorfreude. Weihnachtliche Kindheitserinnerungen am 13. Dezember im Adventkalender von Babyspeck & Brokkoli auf babyspeck.at. Gastbeitrag von Die Kuckucks.

Winterlicher Niederrhein

Viele andere schöne Rituale an Heiligabend und den Feiertagen gab es, und das ein oder andere davon wird bestimmt auch in meiner eigenen kleinen Familie übernommen werden. Je länger ich aber darüber nachdenke, was Weihnachten für mich ausmacht, desto klarer wird mir, wie entscheidend dabei die Vorfreude ist. Damit wären wir beim Adventangekommen, denn in der christlichen Tradition ist der Advent die Zeit der Vorbereitung und Vorfreude auf das Fest der Geburt von Jesus. Meinen Eltern, beide gläubige Katholiken, war diese Zeit der Vorfreude mindestens ebenso wichtig wie das Weihnachtsfest selbst. Der Advent folgte bei uns seiner ganz eigenen Dramaturgie und diese langsam gesteigerte Annäherung an Weihnachten scheint mir im Nachhinein fast am schönsten zu sein.

Vorweihnachtszeit: Plätzchenduft und Engelshaar

Ich erinnere mich, wie meine Mutter in den Adventswochen abends Plätzchen buk, bis zu 15 köstliche Sorten, die allesamt in Dosen verstaut auf den Küchenschränken landeten – mit Glück fanden wir morgens ein „Probierplätzchen“ auf dem Frühstücksteller, während die ganze Wohnung nach Zimt, Butter und Nüssen duftete. Wenn sich der winterliche Himmel vor der Dämmerung rosa färbte, sagte meine Mutter: „Die Engelchen backen auch für Weihnachten.“ Diese Vorstellung gefiel mir!

Plätzchen backen. Das schönste an Weihnachten? Die Vorfreude. Weihnachtliche Kindheitserinnerungen am 13. Dezember im Adventkalender von Babyspeck & Brokkoli auf babyspeck.at. Gastbeitrag von Die Kuckucks.

Plätzchen backen mit Mama und Freundinnen: Ein herrliches Gematsche!

Natürlich hatten wir auch einen Adventskalender: Ein von meinem Vater aus Sperrholz gebasteltes Häuschen mit 25 Türen – die letzte und größte öffneten wir am Ersten Weihnachtsfeiertag. Sonntags nachmittags gab es „Adventskaffeetrinken“ mit Clementinen, Nüssen, selbst gebackenen Spekulatius (laut meiner Mutter die einzig legalen Adventsplätzchen ;)) und häufig liebem Besuch von Verwandten oder Freunden. Der schöne große Adventskranz mit den dicken roten Kerzen duftete nach Tannennadeln. Draußen war es kalt, drinnen urgemütlich. Abends saßen die Eltern oft am Esstisch, umgeben von Karten, Umschlägen und Adresslisten, und schrieben Weihnachtspost. Pakete für Freunde und Familie wurden gepackt.

In den letzten Tagen vor Weihnachten dann steigerte sich die Betriebsamkeit: Letzte Geschenke wurden gebastelt, die empfindlichsten Plätzchensorten gebacken. In diesen Tagen wurden mein Bruder und ich häufig abends aus dem Wohnzimmer ausgesperrt, weil dort irgendwelche ominösen Vorbereitungen im Gange waren – wir liebten diese geheimnisvollen Anzeichen! Manchmal fanden wir morgens „Engelshaar“ im Flur und waren wahnsinnig aufgeregt, während mein Vater uns wissend zuzwinkerte: „Tja, da waren die Englein wohl heute Nacht an der Arbeit…“

Am 23. Dezember dann schließlich wurde das Wohn-, pardon: Weihnachtszimmer, endgültig gesperrt, sogar das Schlüsselloch war verhängt. Wir wussten, dass jetzt der Weihnachtsbaum geschmückt wurde, die Krippe aufgebaut, das ganze Zimmer festlich dekoriert und die Geschenke an ihren Platz gestellt wurden. Wie und durch wen, das war irgendwie mysteriös. Unsere Eltern sprachen vom Christkind. Wie das im Einzelnen funktionieren sollte, war uns nicht klar, aber diese Rätsel gehörten für uns zur Magie von Weihnachten. Auch als wir später ahnten, dass vermutlich doch Papa und Mama den Baum geschmückt hatten, blieb die Magie erhalten, denn meine Eltern gingen behutsam und humorvoll mit uns und dieser „Wahrheit“ um.

Weil übrigens auch Küche und Esszimmer durch das gesperrte Wohnzimmer für uns nicht mehr zu erreichen waren, frühstückte an Heiligabend die ganze Familie in meinem Kinderzimmer, und mittags aßen wir dort Spaghetti mit Tomatensoße. Das fanden wir so abenteuerlich und lustig, dass mein Bruder und ich, noch als wir schon lange nicht mehr glaubten, das Christkind sei in unserem Wohnzimmer am Werk, auf der Fortführung dieses Rituals bestanden.

Weihnachten mit Kind: Den Zauber weitergeben

Wenn ich so darüber nachdenke, wie ich das als Kind alles erlebt habe, freue ich mich sehr darauf, in den nächsten Jahren selbst Rituale und Bräuche einführen zu können, die meinem Babysohn den Zauber von Weihnachten nahe bringen. Auch wenn mein Mann und ich, anders als unsere Eltern, mit dem Glauben nicht mehr viel am Hut haben, scheint es mir wichtig, Weihnachten nicht seine Wurzeln und seine Bedeutung zu nehmen. Ein profanes Fest, an dem es einfach um Geschenke, leckeres Essen und ein paar freie Tage geht, kann ich mir nicht vorstellen. Deswegen finde ich, sind ein bisschen Fantasie und Zauber durchaus erlaubt und sogar wichtig. Christkind und Engel stehen schließlich (anders als der Weihnachtsmann) im direkten Bezug zur Weihnachtsgeschichte, die für sich betrachtet doch schon eine schöne und feierliche Geschichte ist – und eine, in der nach wie vor hochaktuelle Themen wie Flucht, Vertreibung, Hilfsbereitschaft und Armut thematisiert werden.

Ich weiß noch nicht, wie wir das im Einzelnen gestalten werden. Dieses Jahr ist unser Söhnchen noch so klein, dass unser Weihnachtsfest dem der letzten Jahre sehr ähneln wird. Aber im nächsten Jahr wird er schon sehr viel mehr mit bekommen und es wird spannend und schön werden, Weihnachten mit seinen Augen ganz neu zu entdecken. Wenn er eines Tages dann anfängt, kritische Fragen zu stellen, werde ich sie ihm ehrlich beantworten. Bis dahin (mindestens!) darf auch er ein bisschen verzaubert von Weihnachten sein.

Weihnachtsbaum. Das schönste an Weihnachten? Die Vorfreude. Weihnachtliche Kindheitserinnerungen am 13. Dezember im Adventkalender von Babyspeck & Brokkoli auf babyspeck.at. Gastbeitrag von Die Kuckucks.

Bald ist es endlich wieder so weit – Fröhliche Weihnachten!

Christine ist Mutter eines 7 Monate alten Sohnes. Auf ihrem Blog diekuckucks.net schreibt sie über ihr Leben mit Baby, derzeit auch viel über Baby led weaning, erstes Essen und ihre Erfahrungen mit dieser Art der Beikosteinführung.

Wir danken Christine von Die Kuckucks für ihren Gastbeitrag Das schönste an Weihnachten? Die Vorfreude! in unserem Adventkalender!

1 comment on “Das Schönste an Weihnachten?”

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